Reisebericht Sharm-El-Sheik

Die diesjährige Reise nach Ägypten kurz vor Weihnachten begann ja schon einmal vielversprechend. Endlich musste ich der VAG einmal keine 2 Euro fuchzig in den Rachen schmeißen, da unser Flugticket ab Nürnberg die Bahn-Fahrt hin und zurück beinhaltete. So machten wir uns mit einer hervorragenden Stimmung auf den Weg zur U-Bahnstation Bauernfeindstraße, um unsere Reise nach Sharm-El-Sheik anzutreten. Ich glaube, als wir vor verschlossenen Toren an der Station standen, verkniff sich meine Freundin ein „Na, kippt die Stimmung?“ Daran hatten wir nicht gedacht, dass die U-Bahn um 4:00 Uhr in der Früh noch nicht fährt. Nun gut, anstatt der VAG jeweils 2,50€ in den Rachen zu schmeißen, haben wir dem Taxifahrer 25 Euro in die Hand gedrückt. Alles halb so wild. Davon ließen wir uns die Stimmung nicht vermiesen.

Es passierte eigentlich lange Zeit nichts Außergewöhnliches, bis uns auch der nächste Aufreger nicht aus der Fassung bringen konnte. Wir hatten mittlerweile das Einchecken, das Befummeln-Lassen, das obligatorische Duty-Free-Geglotze, den Start und die Landung hinter uns gebracht und standen an einer der vielen Einreise-Passkontrollen in Ägypten, wo der Mann von uns jeweils 25 Euro für das Visa verlangte. Auf die Frage, ob wir das wirklich zahlen müssen, zeigte er uns in den Flugunterlagen die Information im Kleingedruckten. Tja, wer lesen kann ist klar im Vorteil. So machten wir uns einige Minuten später auf den Weg in unser Hotel, welches, wie wir im Flugzeug in unseren Unterlagen lasen, nur 15 Minuten vom Flughafen entfernt ist. Daraufhin meinte Steffi: „Oh Gott, dann ist der Fluglärm dort ja unerträglich“, woraufhin ich wiederum antwortete: „Du weißt schon, dass wir auch ungefähr 15 Minuten vom Flughafen wegwohnen und von den Flugzeugen nichts hören?“ Das hat sie dann relativ schnell eingesehen. Auf der Karte sah es aber auch einfach sooo nah aneinander aus. Auf dem Weg zu den Bussen sahen wir einen Lackaffen, der zwei Koffer hinter sich her zog und dessen Freundin noch ein extra kleines Köfferchen dabei hatte. Ohne Worte und mit Blicken austauschend, dachten Steffi und ich wohl dasselbe: „Hoffentlich sind die nicht in unserem Hotel.“ 15 Minuten später war es amtlich: Sie waren es nicht. Wir sind als einzige beim Hotel Melia Sinai Resort ausgestiegen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon ein paar Mal Trinkgeld verteilen müssen. Die Ägypter wollen nämlich für alles Trinkgeld. Auf der Flughafen-Toilette zum Beispiel: Da habe ich mir die Hände gewaschen (eh klar, ne?), und ein junger Mann hat mir das Wasser angestellt und mir anschließend etwas zum Hände abtrocknen gereicht. Ich dachte mir noch, wie aufmerksam, bis er mir zu verstehen gab, dass er dafür Geld haben möchte. Desweiteren warten am Flughafen so genannte Kofferträger, die den Koffer zum Bus transportieren. Das ist auch eine typische Masche. Noch besser sind die, welche sich an den Bus stellen und lediglich deinen Koffer in den Bus heben… Mich hat es fast gewundert, dass dir keiner nach dem Toilettengang das Klopapier hingehalten hat. Wenn man nach Ägypten reist, muss dir dies allerdings bewusst sein und sind wir doch mal ehrlich, ein bisschen Trinkgeld macht uns nun wirklich nicht viel ärmer und die Menschen in Ägypten leben nun mal davon.

Nun gut, wir waren gute 8 Stunden nach unserer Abreise in Nürnberg in unserem Hotel in Sharm-el-Sheik angekommen. Wir kamen in der Mittagszeit an und bezogen unser Zimmer, welches unseren Ansprüchen absolut genügte. Es war ein großes Zimmer mit einem Bett und Fernseher, einem Bad mit Badewanne und WC. Mehr braucht man nicht, da man sich im Zimmer eigentlich nur zum Schlafen aufhält. Zudem hatten wir noch eine Terrasse, von welcher wir direkt auf das Meer blicken konnten. Herrlich! Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass wir 27 Grad mit Sonnenschein hatten? Und das im Dezember. Arme Leute in Deutschland, die bei 5 Grad frieren mussten.

Wenig später waren wir dann auch schon im Meer planschen. Ich wollte mich schon aufregen, was der Typ da draußen die ganze Zeit mit seiner Trillerpfeife pfiff, als ich bemerkte, dass er uns meinte. Wir liefen auf den Korallen rum, was wir natürlich nicht wussten. Wir gingen dann einige Meter weiter nach rechts zu einem Steg, von dem man ins Wasser gehen konnte. Wobei gehen der falsche Ausdruck ist, da es dort dann schon tief war und man direkt anfangen musste zu schwimmen. So viel Sport im Urlaub…

Am nächsten Tag klingelte der Wecker um 7:00 Uhr. Nein, nicht abends. Schön wäre es gewesen, morgens. Steffi meinte etwas von „Morgenstund hat Gold im Mund“ und „die Sonne geht ja so früh unter, da haben wir etwas vom Tag“, bla bla bla. Also frühstückten wir recht zeitig. Für mich gab es frisch zubereitetes Omelette, eine Scheibe Toast mit Wurst und Käse und als Zugabe frisch für mich zubereitete Pfannenkuchen. Was Steffi aß? Frag mich mal was gestern war. Ich konnte die Augen ja kaum offen halten, so müde war ich noch. Wenig später ging es auch schon zum Strand. Um die Zeit bis zur Eröffnung der Strandbar zu überbrücken, lasen wir jeder für sich in den Büchern. Als kurze Zeit später die Bar öffnete und ich mit einem Bier zurück an die Liege kam, wurde ich mit einem „Findest du das gut?“ empfangen. Sofort war mir klar, dass dies ein anderer Urlaub wird, als mit den Jungs. Also holte ich mir schnell noch einen alkoholfreien Milchshake. Rückblickend betrachtet habe ich in diesem Urlaub so viel Alkohol getrunken wie sonst, in der Blüte meines Lebens, in 2 Stunden. Naja, meine Leber hat es mir sicher gedankt, oder aber übel genommen. Wie auch immer, ich lag gerade so auf meiner Liege, las den dritten Teil der „Tribute von Panem“, als ich so einen Idioten im Meer sah, der auf den Korallen rumlief. Einige Sekunden später hörte ich auch schon eine Trillerpfeife. So etwas muss man doch sehen, und oben steht doch extra noch ein Schild, dass man nicht auf den Korallen laufen darf… Anfänger.

Einige Minuten später begaben wir uns zum ersten Mal mit unserer Schnorchel-Ausrüstung zu den Fischis. Am Tag zuvor hatte ich ja schon einmal zu Steffi gesagt: „Sieh mal, ein nasser Fisch.“ Was wir da zu sehen bekamen war der absolute Wahnsinn! Viele bunte Fische schwammen ganz nah unter uns lang. Zu Steffis Freude sahen wir sogar einen Nemo. Das war natürlich das Highlight!

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Nach unserem ersten erfolgreichen Schnorchelgang, bei dem ich nebenbei bemerkt nur etwa 5,5 Liter des Meeres geschluckt hatte, gab es Mittagessen. Danach stand ein Begrüßungscocktail durch den Reiseveranstalter auf dem Programm. Dabei lernten wir 3 deutsche Gäste kennen, eine Seltenheit inmitten der ganzen russischen Touristen. „Добрый день!“ wollte ich sie schon begrüßen, als ich sie auf Deutsch miteinander reden hörte. Bei der Begrüßung erfuhren wir nicht wirklich etwas und so verbrachten wir die nachfolgenden Tage ungefähr so:

7:00 Uhr Wecker, anschließend Frühstück, danach am Strand liegen und lesen, ein Schnorchelgang vormittags, am Strand liegen und lesen, Mittagessen, ein Schnorchelgang nachmittags, am Strand liegen und lesen, Abendessen und zum Abschluss etwas spazieren gehen. Meine Lieblingsbeschäftigung. Idyllische und romantische Spaziergänge am Meer entlang. Das war jedenfalls der Plan. Nachdem wir in die falsche Richtung gingen, sahen wir nur Bauruinen. Es war ziemlich dunkel und von gar nicht so weit weg hörten wir ein unheimliches „Russia, Russia, Russia.“ Die Nagelschere hatte ich zu Hause vergessen, doch zum Glück hatte ich noch mein Palmenblatt als Verteidigung dabei, welches ich kurz zuvor noch als Zahnstocher benutzt hatte. Wir rechneten beide schon mit dem Schlimmsten, da kamen Bassam und Mahmoud mit einer Happy New Year Weihnachtsdeko um die Ecke. Die beiden waren schon zwei Spaßvögel.

Am Tag zuvor, als ich am Strand einem Pärchen beim Posieren beobachtete, haben mich Bassam und Mahmoud auf meiner Liege weggetragen. Ich kam allerdings rechtzeitig zurück, um dem Pärchen weiter beim Fotoschießen im Sonnenuntergang zu beobachten. Die Dame rekelte sich gefühlte 10 Minuten im Sand und der Mann, der eine TMI (Too Much Information)-Hose trug, war danach an der Reihe. Doch da war auch schon der Akku leer. Bis dieser gewechselt wurde, war die Sonne bereits untergegangen. So ein Pech. Dies nur mal so nebenbei. Wo war ich stehengeblieben? Ach, beim Spazierengehen. Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, mieden wir bei den nächsten Abendspaziergänge die Bauruinen.

Wie sich etwas später nach dem Begrüßungscocktail herausstellte, hießen zwei der deutschen Seltenheiten Conny und Klaus aus Celle und Siggi, der Hobby-Taucher aus Hannover. Diese Informationen erhielten wir zwei Tage später bei einem Ausflug. Denn damit Steffi nicht durch unseren entspannten Tagesablauf allzu langweilig wurde, fuhren wir an einem Nachmittag mit dem Shuttlebus zum Old Market. Naja, 5 Minuten Busfahrt kann ich ihr zu Liebe ja mal mitmachen. Doch Pustekuchen, als die Bustüren verschlossen waren, erfuhr ich, dass die Fahrt 45 Minuten dauert… Diese Steffi, die tausche ich ein, 5 Kamele sollte ich schon für sie bekommen. Und dann wurden wir von allen Seiten angelabert und die Ägypter versuchten, uns in die Geschäfte rein zu locken. „What shall I do? I want your money“, „Heute kaufen, morgen zahlen“ und „Nur gucken, nix kaufen“ waren typische Sprüche. Doch wo wir auch guckten, meine heißbegehrte Vanilleschote, die ich fürs Backen kaufen wollte, bekam ich nur für horrende Preise. Da hole ich mir doch lieber eine Tüte Safran:

„5g for 5€.“ bot mir einer der Händler an.
„No, 5€ is too much, I want less.“
„Ok, ok, I put more Safran in. 5€.“
„But I want less.“
„Ok, ok, 1g more. Now you buy it. 5€. This is very cheap.“
„But, but… ok, 5€.“

Oh je, wenn das so weiter geht… In den nächsten Laden ging ich nicht mit rein. Ich sah nur einen Typen auf Steffi einquatschen. Und da kam auch schon Conny aufgeregt an „Der flirtet mit deiner Freundin. Du solltest schnell rein gehen.“ Und so rettete ich sie aus den Klauen des Ägypters, der ihr scheinbar erzählte, dass er vor den Augen deutscher Frauen Angst habe. Diese wirken auf ihn wohl wie ein Nacktscanner. Kein Wunder, dass Steffi ihre Augen bei unserem ersten Treffen nicht von mir nehmen konnte.

Während wir so durch die Straßen schlenderten, ließ der Klaus seine Hosen hinunter: Er outete sich als Bayern-Fan. Für einen Bayern-Fan war er aber wirklich sehr sympathisch, hat jedoch keine Ahnung von Fußball. Er wollte mir tatsächlich weiß machen, dass Ibrahimovic beim 4 zu 4 gegen Deutschland alle vier Treffer gemacht hatte. Dazu meinte er, dass er da auch das Fallrückzieher-Tor geschossen habe. Lieber Klaus, das war beim 4 zu 2 gegen England.

Die restlichen Tage verbrachten wir dann wieder entspannt, nach oben beschriebenem Tagesablauf. Die Rückreise verlief ereignislos. Alles in allem ein sehr gelungener Urlaub. Und zu Hause trug ich die ersten paar Tage nur weiße Kleidung, damit meine Bräune (im Dezember!) noch mehr auffiel.

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  1. Baschke says:

    Hallo Andi,habe soeben deinen Reisebericht gelesen. Echt gut und witzig geschrieben.

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